Neues anwendungsorientiertes Kooperationsprojekt gestartet
Das Land Niedersachsen fördert aus den Mitteln der Europäischen Regionalförderung ein neues anwendungsorientiertes Kooperationsprojekt zwischen dem Drilling Simulator Celle und der im Raum Celle ansässigen Bohrindustrie.
Das kürzlich gestartete Projekt „Sensorgestützte Analyse und Optimierung des Bohrkleintransports - OBT“ zielt auf die Verringerung der technischen und damit auch die wirtschaftlichen Hemmnisse von Geothermievorhaben ab. Im Fokus steht hierbei die Tiefbohrtechnik, die mit über 50% der Gesamtkosten den entscheidenden Kostenfaktor eines Geothermieprojekts darstellt. Ein kritischer Faktor des Bohrprozesses ist der Bohrkleintransport, der von zahlreichen Parametern wie z.B. der Zusammensetzung der Spülflüssigkeit (Dichte, Viskosität, Rheologie), von Betriebsparametern (Druck, Volumenstrom), der Beschaffenheit des Untergrunds (Hartgestein, Sediment) und auch vom Bohrwerkzeug und dem erzielten Bohrfortschritt abhängt. Das Projekt zielt daher darauf ab, durch eine Weiterentwicklung spezifischer Sensor- und Messtechnik den Bohrkleintransport in realen Spülungsflüssigkeiten experimentell untersuchen und Aussagen zur optimalen Einstellung dieser Fluide ableiten zu können. Diese Ergebnisse ergänzen weitere Aktivitäten in der Arbeitsgruppe von Prof. Gunther Brenner am DSC und am Institut für Technische Mechanik zur Modellierung des Transports von granularen Partikeln mit numerischen Verfahren im Kontext der Tiefbohrtechnik.
Gemeinsam mit den Partnern Baker Hughes INTEQ GmbH sowie weiteren, im Branchennetzwerk GeoEnergy Celle e.V. verbundenen, Unternehmen der Bohrindustrie soll eine in einem Vorprojekt zur innovativen Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Hochschulen („Durchbrüche“) entwickelte Versuchsanlage für den Mehrphasentransport in transparenten Modellflüssigkeiten erweitert werden, um auch Analysen mit industriell eingesetzten Bohrspülungen ermöglichen zu können. In Frage kommen insbesondere Verfahren, die auf Messungen der elektrischen Leitfähigkeit beruhen, sowie Ultraschallmessverfahren. Da für die hier zugrunde liegenden Fragestellungen noch keine schlüsselfertigen Lösungen existieren, ist eine spezifische Sensor- und Messtechnik zur Erfassung der lokalen Partikelkonzentrationen und -geschwindigkeiten zu entwickeln und zu evaluieren. Ein weiterer Arbeitsschwerpunkt liegt in der Durchführung umfangreicher Messkampagnen und der Aggregation der gewonnenen Messdaten in geeigneten Modellen. Hierzu wurde bereits im vorgenannten „Durchbrüche“-Projekt Vorarbeiten mit KI-Methoden durchgeführt.
Das Projekt führt damit die langjährige und erfolgreiche Zusammenarbeit der Partner im Bereich der anwendungsorientierten Grundlagenforschung fort und trägt auf diese Weise zur Stärkung des regionalen Innovationssystems im Raum Celle bei. Aus Mitteln der STEP-Plattform zur Förderung strategischer Investitionen der Europäischen Union erhält es eine Förderung i.H.v. rund 485.000€ bei einer Laufzeit von zwei Jahren.